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Gerhardt Müller-Goldboom wurde in London geboren und wuchs in Berlin auf. Dort studierte er Komposition, Musikwissenschaften und Kontrabaß. Er begann seine musikalische Laufbahn nach einer Stipendiatszeit an der Orchester-Akademie der Berliner Philharmoniker zunächst als Instrumentalist.
Nach einem ersten Kompositionsstipendium des Senats von Berlin (1990) wurde seine kompositorische Entwicklung von verschiedenen Seiten gefördert (Olevano-Stipendium der Berliner Akademie der Künste, Stipendium der Heinrich-Strobel-Stiftung/Experimentalstudio des Südwestrundfunks in Freiburg, Nominierung für »Rostrum of Composers« Paris). Auf die intensive Auseinandersetzung mit den Techniken elektronischer Klangerzeugung folgten mit Unterstützung des Elektroakustischen Studios der Berliner Akademie der Künste 1994 - 96 systematische Studien zur Wahrnehmung von Mikrointervallen. Die von Gerhardt Müller-Goldboom daraus entwickelte Konzeption vom Bereichscharakter des Intervalls bildet inzwischen die harmonische Grundlage für seine Musik. Seine Kompositionen wurden auf internationalen Festivals Neuer Musik aufgeführt, u.a. bei open systems 2005 Bochum (Arditti - Quartett), novembermusic 2005 s'Hertogenbosch (Arditti - Quartett), Festival Experimental Intermedia Studio New York / USA (2007, Portraitkonzert u.a. mit Tom Chiu / Flux - Quartett), Maerzmusik Berlin (2006, Eva Schönweiß), UltraSchall Berlin (2000, Kairos-Quartett), Macerata (Magnus Andersson, Manuel Zurria, Francesco Dillon), Zürcher Tage für Neue Musik (u.a. mit dem Solisten Daniel Fradkin, Viola d'amore), Kryptonale Berlin (work in progress - Berlin). Die Werkliste umfaßt bisher Orchester-, Kammermusik und Solokompositionen sowie elektronische Realisationen. Neben der Beobachtung der Entfaltung musikalischer Phänomene bilden vor allem Gestaltungsweisen aus der Bildenden Kunst und literarische Anstöße den Hintergrund seiner Kompositionen. Gegenwärtig arbeitet er an einem Musiktheaterprojekt auf der Grundlage von Ovids Metamorphosen.
Gerhardt Müller-Goldboom arbeitete als Assistent Kent Naganos bei Opernproduktionen (Wagners Parsifal bei den Festspielen Baden-Baden, Takemitsus My Way of Life - Koproduktion Staatsoper Berlin, Chatelet Paris, Bunka Kaikan Tokyo) und hospitierte zur Vertiefung der Praxis Alter Musik, insbesondere Rameaus, bei Marc Minkowski in Paris. Mit dem Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin sowie mit dem Solistenensemble des Deutschen Symphonie-Orchesters Berlin brachte Gerhardt Müller-Goldboom vom älteren Repertoire (Haydn, Mozart, Biber, Muffat u.a.) bis zur Klassischen Moderne (u.a. Schönberg, Hindemith, Ginastera, Ives, Gershwin) verschiedene Programme zur Aufführung. Seit der Gründung des sich der Aufführung von Gegenwartsmusik widmenden Ensembles work in progress - Berlin ist er dessen Leiter. Mit diesem Ensemble bespielte er eine eigene Konzertreihe im Kammermusiksaal der Berliner Philharmonie und unternahm diverse Konzertreisen innerhalb Europas, u.a. als Gastensemble beim Klangforum Wien. Gegenwartsrepertoire dirigierte er auch als Gast verschiedener Ensembles und Orchester im In- und Ausland, u.a. beim Festival Neuer Musik der Ungarischen Philharmonie Budapest und beim "Ensemble of the 21st Century". Hier dirigierte er die israelische Erstaufführung von György Kurtágs Botschaften des verewigten Fräulein Trussowa. Seit 2003 leitete Gerhardt Müller-Goldboom am Konzerthaus Berlin mehrere Musiktheaterproduktionen, u.a. Mauricio Kagels Mare nostrum, womit auch Gastspiele auf dem Festival von Huddersfield in England sowie in Athen stattfanden, sowie ein über mehrere Spielzeiten angelegtes Projekt mit Werken Sylvano Bussottis: La Passion selon Sade (2005), Silvano Sylvano und Pieces de chair II (2008). Für die Produktion von Sasha Waltz' Inszenierung von Pascal Dusapins Medea übernahm er die Choreinstudierung - Koproduktion Grand Theatre Luxembourg - Staatsoper Berlin (2007). Im RADIALSYSTEM V leitete er im Januar 2010 die vielbeachtete Produktion von Mark Andres Oper ...22,13..., deren Mitschnitt als SACD erscheinen wird. Beim Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin dirigierte Gerhardt Müller-Goldboom 2002 die Uraufführung und CD-Produktion der Sinfonia 1ma columbia des mexikanischen Mikrointervall-Pioniers Julián Carrillo sowie eine CD-Einspielung mehrerer Konzertkompositionen von Astor Piazzolla (2003).